"Seit Oktober vergangenen Jahres treiben hier irgendwelche Jagdfeinde ihr Spiel, zerstören systematisch unsere Hochsitze", sagt Manfred Risch, Pächter in Muggesfelde. Insgesamt neun Kanzeln wurden in seinem und dem benachbarten Revier bereits umgerissen und anschließend mit Hakenkreuzen, SS-Symbolen und Parolen wie "Jäger sind Mörder" oder "Jäger = Nazis" beschmiert. Jetzt schlugen die Täter wieder zu. "Am vergangenen Wochenende wurde mit brachialer Gewalt ein weiterer Hochstand von den Beinen gerissen", sagt der 66 Jährige.
An zerstörerische Streiche von Kindern und Jugendlichen glaubt er nicht. "Da steckt ein Plan dahinter", ist Risch überzeugt. Er vermutet, dass "militante Jagdgegner" hinter den Taten stecken. Und: "Die müssen sich in der Region gut auskennen und wissen, wo die von den Straßen und Wegen kaum erkennbaren Hochsitze stehen."
Klaus Harm, Polizeihauptkommissar in Bad Segeberg und Jungjäger-Ausbilder, hat einen anderen Verdacht: "Die Schmierereien deuten auf die linke Szene hin." Im vergangenen Jahr habe es bereits ähnliche Anti-Jagd-Kampagnen im Kreis Stormarn gegeben. "Die Art der Zerstörungen und Schmierereien trug dieselbe Handschrift wie jetzt in Muggesfelde. Damals konnte die Polizei die Hamburger Antifa-Szene als Täterkreis ermitteln", so Harm. Allerdings: Die fünf Hochsitze, die Ostern im Bereich Rickling/Daldorf umgerissen wurden (die LN berichteten), könnten auf das Konto anderer Täter, möglicherweise von Trittbrettfahrern gehen. Insgesamt wurden der Polizei im Kreis Segeberg bereits 20 Fälle gemeldet. Der finanzielle Schaden geht in die Tausende, die Versicherungen zahlt allerdings nur in den wenigsten Fällen.
Was bleibt, ist die Angst, die bei den Jägern mittlerweile mit auf die Pirsch geht. Denn: Bereits vor zehn Jahren war es schon einmal in "Mode" gewesen, Hochsitze zu zerstören. Damals wurden etliche Jäger beim Besteigen ihrer Kanzeln teils lebensgefährlich verletzt, nachdem Unbekannte die Sprossen der Leitern angesägt und die Spuren nachträglich mit Schlamm beschmiert hatten. "Ich appelliere daher eindringlich, vor jedem Ansitzen die Leitern auf ihre Standhaftigkeit hin zu überprüfen", warnt Kreisjägermeister Klaus Rathje (53). Nachdem sich die Zerstörung von Jagdeinrichtungen häufe, würden immer mehr Waidleute ihre Hochsitze unverschlossen lassen. Rathje: "Obwohl das Betreten verboten ist, üben die Kanzeln einen enormen Reiz aus. Viele Jäger hoffen, der blinden Zerstörungswut so eventuell vorbeugen zu können."
Rathje und die Polizei bitten nun die Bevölkerung um Mithilfe, fordern dazu auf, bei Spaziergängen besonders auf verdächtige Personen zu achten und gegebenenfalls die Polizei zu alarmieren. Auch unter den Jägern werde seit Beginn der Saison am 1. Mai "ganz genau hingeguckt", so Harm. Dem Muggesfelder Jäger Manfred Risch reicht das nicht: Er hat jetzt eine Belohnung von 200 Euro ausgesetzt. Hinweise werden an die Polizei erbeten unter Telefon 0 45 51/88 40.